Individuelles Umweltmonitoring

Individuelles Umweltmonitoring

Beitragvon Karlheinz » Samstag 5. Mai 2007, 06:48

Menschen sind doch verschiedener als die Genetiker glauben. (Bild: AP)

Persönlicher Umweltsensor
Ergebnisse aus Umweltforschung, Genetik und Medizin werden zusammengeführt
Von Gabor Paal

Medizintechnik. - Langsam bricht sich in der Medizin und der Genetik die Erkenntnis Bahn, dass die Menschen sehr individuell auf Therapien reagieren. In den USA versucht eine Initiative unter Leitung des dortigen Nationalen Gesundheitsinstituts die individuelle Messung der Umwelteinflüsse auf möglichst unauffällige und bequeme Weise zu bewerkstelligen.

Die einen können essen, so viel sie wollen und nehmen nicht einmal zu, andere müssen strenge Diät halten, sei es, weil sie diabetesgefährdet sind, weil sie einen hohen Blutdruck haben oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Die einen reagieren empfindlich auf Luftschadstoffe bis hin, dass sie Asthma bekommen - anderen Menschen dagegen macht schlechte Luft nichts aus. Diese Beispiele machen deutlich, wie Krankheiten und körperliche Beschwerden fast immer sowohl äußere Ursachen haben als auch Veranlagungssache, sprich, genetisch bedingt sind. Deshalb jetzt die Initiative "Gene, Umwelt und Gesundheit". Allerdings soll es dabei jetzt erst mal weniger um Gene gehen, umso mehr aber darum, Umwelteinflüsse messbar zu machen. Denn da gebe es einen Nachholbedarf, so Brenda Weis vom Nationalen Gesundheitsinstitut in Bethesda.

"Die Genetik und die genetischen Besonderheiten eines Menschen können wir heutzutage bereits sehr genau bestimmen. Hier hat sich die Forschung sehr schnell entwickelt. Doch welchen Umweltfaktoren ein Mensch ausgesetzt ist, können wir nur sehr begrenzt wirklich objektiv erfassen - dazu gehören seine Ernährung, die Chemikalien in seiner Umgebung, aber auch, wie viel Bewegung er hat. Hier haben wir bisher kaum verlässliche Informationen, und genau das ist das Ziel: Wir wollen Umwelteinflüsse auf der individuellen Ebene messen."

Welchen Umwelteinflüssen ein Mensch ausgesetzt ist, lässt sich bisher fast nur indirekt messen: Etwa über Umweltmessstationen, die an einer bestimmten Stelle aufgestellt sind und die Luftqualität erfassen. - Aber diese Messungen sind eben nur punktuell und lassen nur sehr begrenzt Rückschlüsse darauf zu, wie viel von dieser schlechten Luft ein einzelner Mensch einatmet. Eine zweite Möglichkeit sind Blut- und Urinproben - die wiederum geben Informationen über bestimmte Schadstoffkonzentration - aber eben nur zu einem bestimmten Zeitpunkt. Die dritte Informationsquelle schließlich sind Fragebögen: Was haben Sie die letzte Woche gegessen? Welchen Schadstoffen waren Sie ausgesetzt? Wie viel Sport haben Sie gemacht? - doch die Antworten auf solche Fragen entsprechen nicht immer der Wirklichkeit. Die Zukunft, so Brenda Weis, sollte deshalb so aussehen:

"Sie gehen zum Arzt. Und zwar mit einem Messgerät, das sie am Handgelenk tragen - oder das an ihrem Rucksack befestigt ist - und das die Umwelteinflüsse genau erfasst hat, denen Sie in den letzten zwei Wochen ausgesetzt waren. Diese Daten bekommt der Arzt - im Prinzip geht das auch über das Internet - und weiß dann genau Bescheid. Oder, wenn es um ihre Essgewohnheiten geht: Anstatt einen Fragebogen auszufüllen, machen Sie einfach ein Foto von ihrer Mahlzeit, auch dieses Foto könnte dann über das Internet einem Arzt oder einem Labor übermittelt und mithilfe spezieller Programme ausgewertet werden, so dass nicht nur klar ist: Sie haben gestern Fisch gegessen, sondern auch: Wie viel, welchen Fisch und um welche Tageszeit? Das geht dann alles aus dem Foto hervor."

Die Erfassung der Umwelteinflüsse ist ein Teil des angekündigten 40-Millionen-Dollar-Programms. Darüber hinaus sollen sogenannte Biomarker entwickelt werden. Sie sollen dazu dienen, nicht die äußere Umwelt zu erfassen, sondern die tatsächlichen Auswirkungen im Körper. Insbesondere im Blut. Weis:

"Nehmen wir an, Sie waren einem bestimmten Luftschadstoff ausgesetzt, und der hat eine Entzündung in ihren Lungen hervorgerufen. Dann würde es schon helfen, diese Entzündung in einem frühen Stadium festzustellen, zum einen, um eventuell auch schon medizinisch vorzubeugen, zum anderen aber natürlich, um in Kombination mit den Informationen aus den Umweltsensoren Erfahrungen zu gewinnen, welche Umwelteinflüsse welche Wirkungen zeigen."

Ansätze für solche Techniken gibt es bereits. So ist es heute schon möglich, etwa bei Diabetikern den Blutzuckergehalt zu bestimmen, ohne eine Blutprobe zu nehmen: Indem man die elektrische Leitfähigkeit in den unteren Hautschichten misst. Erste Biosensoren für die Messung von Umweltschadstoffen wiederum werden, schätzt Brenda Weis, in etwa fünf Jahren verfügbar sein. Und am Ende, sollen die Gene dann doch wieder ins Spiel kommen. Weis:

"Wenn wir die Umwelteinflüsse und die körperlichen Veränderungen besser erfassen können und das mit dem Erbgut der Menschen abgleichen, dann werden wir besser erkennen, ob jemand aufgrund seiner Gene für bestimmte Krankheiten anfällig ist, oder ob es an äußeren Einflüssen liegt. Und das soll auch im Großen geschehen: Die Genetik hat anhand von Bevölkerungsstudien einiges herausgefunden über den Einfluss einzelner Gene. Die Erkenntnisse, die wir aus den Biosensoren gewinnen, sollen am Ende mit den genetischen Studien abgeglichen werden."

DLF
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Re: Individuelles Umweltmonitoring

Beitragvon Twei » Samstag 24. August 2013, 18:09

23.08.2013 08:47

Wissenschaftler plädieren für einheitlichere Standards im Umweltmonitoring

Peter Kuntz Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Eine Tagung an der Universität Trier will dazu beitragen, dass der Einsatz von Indikatoren im Umweltmonitoring optimiert wird. Das ist dringend erforderlich, weil sich mit bisherigen Methoden und Praktiken der aktuelle Zustand oder Veränderungen der Umwelt nicht zweifelsfrei bestimmen lassen.

Das Tagungsthema „Indikatoren im Umweltmonitoring – Standardisierung, Bewertung und Politikberatung“ mutet akademisch an. Doch die wissenschaftlichen Fragen, die vom 16. bis 19. September bei der „20. Internationalen Konferenz über Umweltindikatoren (icei)“ an der Universität Trier diskutiert werden, beschäftigen auch die Politik und spielen ins Alltagsleben hinein.

Veränderungen in der Umwelt und damit potenzielle Gefahren für Mensch und Natur werden in der Umweltbeobachtung über Indikatoren gemessen und diagnostiziert. Im Umweltmonitoring und speziell beim Einsatz von Indikatoren wird eine Vielzahl an Methoden und Praktiken angewendet. Ergebnisse und Bewertungen lassen sich daher nur unzureichend vergleichen, ebenso wenig lassen sich der aktuelle Zustand der Umwelt oder Veränderungen zweifelsfrei bestimmen. Daher bedarf es dringend einer Angleichung der Standards, nicht zuletzt, um der Politik verlässliche Entscheidungsgrundlagen vorzulegen.

Dieses Thema rückt die international besetzte Tagung an der Universität Trier in den Mittel-punkt. Die „20. Internationale Konferenz über Umweltindikatoren“ spricht neben Wissen-schaftlern auch Experten aus Ministerien, Beratungsunternehmen oder Ingenieurbüros an. Veranstalter sind die Biogeographie der Universität Trier und die International Society of Environmental Indicators (ISEI).

Kontakt:
Roland Klein
Fachbereich VI
Tel. 0651/201-4695
E-Mail: kleinr@uni-trier.de ...
http://idw-online.de/pages/de/news548235

Oder siehe auch die Originalbekanntmachung - http://www.icei2013.com/

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Twei
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Re: Individuelles Umweltmonitoring

Beitragvon Mia » Montag 26. August 2013, 08:20

Ein Meßgerät, dass den Feinstaub in bewohnten Räumen messen und gefährliche Stoffe analysieren kann, wäre genial.
Würde mühsame Spurensuche für toxische Erkrankungen ersparen.

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