Großbritanien vorn bei der CFS-Forschung
Mutationen bei chronischer Müdigkeit aufgespürt
Es zeigten sich Unterschiede bei 35 der 9522 Gene, so britische Wissenschaftler
Britische Forscher haben erstmals biologische Veränderungen beim chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) entdeckt. Jonathan Kerr und sein Team von der "St. George's University of London" haben dazu die Genaktivität in weißen Blutkörperchen von CFS-Kranken und Gesunden verglichen. Es zeigten sich Unterschiede bei 35 der 9522 untersuchten Gene. Einige der bei CFS-Kranken identifizierten Gene spielen demnach eine tragende Rolle in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen.
"Das scheint sehr gut zu der Tatsache zu passen, dass diesen Patienten Energie fehlt und sie unter ständiger Müdigkeit leiden", sagte Kerr. CFS-Kranke haben ähnliche Symptome wie bei einem Kater - allerdings über Jahre hinweg: extreme Schlappheit, Konzentrationsschwächen, Schlafprobleme und Kopfschmerzen. Einige Ärzte sind bislang der Meinung gewesen, CFS sei eine "eingebildete" Krankheit. Dies sieht Russell Lane, Neurologe am Charing Cross Hospital in London, nun widerlegt: "Diese aufregende neue Arbeit zeigt, dass einige Aspekte der komplexen Krankheit in molekularen Vorgängen auszudrücken sind und dass CFS keine eingebildete Krankheit ist."
Kerr hofft, dass die Arbeit zu einem Bluttest für CFS oder sogar zu Therapieansätzen der bislang unheilbaren Krankheit führt. Die erste Studie mit insgesamt 50 Probanden wiederholt er derzeit im großen Rahmen mit 1000 Teilnehmern und untersucht dabei sogar 47.000 Genprodukte. Bislang bestätige diese große Studie die Ergebnisse der ersten, sagte Kerr.
"Die Müdigkeit bei CFS und eine normale alltägliche Erschöpfung haben etwa so viel gemeinsam wie eine bösartige Krebsgeschwulst und eine harmlose, gutartige Wucherung", sagte der Vorsitzende des CFS-Selbsthilfevereins Fatigatio (Bonn), Helmut Uhlisch. Doch nicht nur Müdigkeit gehört zum Alltag der Patienten.
Viele haben zudem schwere Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Schwindel und Übelkeit sowie Sehstörungen und Depressionen. Diese Beschwerden dauern Fatigatio zufolge oft jahrelang an, manche Patienten könnten einer geregelten Arbeit nicht mehr nachkommen. Trotz allem werden CFS-Patienten laut Uhlisch mit ihrer Krankheit oft allein gelassen. "Sie stoßen bei Ärzten, Behörden und im sozialen Umfeld häufig auf Unkenntnis, Vorurteile und wenig Verständnis." Nach Angaben von Fatigatio gibt es in Deutschland rund 300 000 Menschen, die mehr oder weniger stark an CFS erkrankt sind. Andere Experten gehen jedoch von weniger Betroffenen aus.
In Großbritannien trägt das CFS-Syndrom den Namen "Myalgische Enzephalomyelitis". Dieser Name weist sowohl auf die schmerzenden Muskeln als auch auf eine mögliche Entzündung des Gehirn und Rückenmarks hin. "Es gibt nicht 'die eine' geeignete Behandlung von CFS" weiß Peter Henningsen, Oberarzt an der psychosomatischen Universitätsklinik in Heidelberg.
Er geht von einer sehr viel geringeren Zahl Betroffener in Deutschland aus und bezieht sich auf Studien aus Großbritannien. Dort ist nur von etwa 1 Prozent der Bevölkerung die Rede. Auf Deutschland übertragen wären dies rund 80,000 Menschen. "Die überwiegende Zahl an Patienten, die mit Symptomen von CFS zu uns kommen, sind so genannte Workaholics, die plötzlich aus der Bahn geworfen werden. Sie kommen nicht mehr auf die Beine, ihr Leben verkehrt sich ins Gegenteil", sagt Henningsen. Oft könnten die Patienten gar nicht benennen, was eigentlich geschehen sei.
"Uns geht es in der Behandlung darum, diese Menschen wieder in die Aktivität zurück zu holen und ihnen deutlich zu machen, wo der Bruch in ihrem Leben gewesen ist." Er sehe die Gefahr, dass die Patienten sich in ihrer Suche nach einer organischen Ursache "festbeißen" und nicht für psychotherapeutische Ansätze zugänglich seien.
Die Mitarbeiter von Fatigatio kennen viele CFS-Patienten, die jahrelang um ihre Berentung kämpfen. "Fünf bis sieben Jahre Kampf um die Zuerkennung einer Rente sind leider keine Seltenheit", sagt Uhlisch. Auch Henningsen zweifelt die Schwere der Erkrankung nicht an. "Ich halte das Syndrom durchaus für einen Berentungsgrund, auch ohne organische Ursache."
http://www.3sat.de/nano.html
Es zeigten sich Unterschiede bei 35 der 9522 Gene, so britische Wissenschaftler
Britische Forscher haben erstmals biologische Veränderungen beim chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS) entdeckt. Jonathan Kerr und sein Team von der "St. George's University of London" haben dazu die Genaktivität in weißen Blutkörperchen von CFS-Kranken und Gesunden verglichen. Es zeigten sich Unterschiede bei 35 der 9522 untersuchten Gene. Einige der bei CFS-Kranken identifizierten Gene spielen demnach eine tragende Rolle in den Mitochondrien, den Kraftwerken der Zellen.
"Das scheint sehr gut zu der Tatsache zu passen, dass diesen Patienten Energie fehlt und sie unter ständiger Müdigkeit leiden", sagte Kerr. CFS-Kranke haben ähnliche Symptome wie bei einem Kater - allerdings über Jahre hinweg: extreme Schlappheit, Konzentrationsschwächen, Schlafprobleme und Kopfschmerzen. Einige Ärzte sind bislang der Meinung gewesen, CFS sei eine "eingebildete" Krankheit. Dies sieht Russell Lane, Neurologe am Charing Cross Hospital in London, nun widerlegt: "Diese aufregende neue Arbeit zeigt, dass einige Aspekte der komplexen Krankheit in molekularen Vorgängen auszudrücken sind und dass CFS keine eingebildete Krankheit ist."
Kerr hofft, dass die Arbeit zu einem Bluttest für CFS oder sogar zu Therapieansätzen der bislang unheilbaren Krankheit führt. Die erste Studie mit insgesamt 50 Probanden wiederholt er derzeit im großen Rahmen mit 1000 Teilnehmern und untersucht dabei sogar 47.000 Genprodukte. Bislang bestätige diese große Studie die Ergebnisse der ersten, sagte Kerr.
"Die Müdigkeit bei CFS und eine normale alltägliche Erschöpfung haben etwa so viel gemeinsam wie eine bösartige Krebsgeschwulst und eine harmlose, gutartige Wucherung", sagte der Vorsitzende des CFS-Selbsthilfevereins Fatigatio (Bonn), Helmut Uhlisch. Doch nicht nur Müdigkeit gehört zum Alltag der Patienten.
Viele haben zudem schwere Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen, Schwindel und Übelkeit sowie Sehstörungen und Depressionen. Diese Beschwerden dauern Fatigatio zufolge oft jahrelang an, manche Patienten könnten einer geregelten Arbeit nicht mehr nachkommen. Trotz allem werden CFS-Patienten laut Uhlisch mit ihrer Krankheit oft allein gelassen. "Sie stoßen bei Ärzten, Behörden und im sozialen Umfeld häufig auf Unkenntnis, Vorurteile und wenig Verständnis." Nach Angaben von Fatigatio gibt es in Deutschland rund 300 000 Menschen, die mehr oder weniger stark an CFS erkrankt sind. Andere Experten gehen jedoch von weniger Betroffenen aus.
In Großbritannien trägt das CFS-Syndrom den Namen "Myalgische Enzephalomyelitis". Dieser Name weist sowohl auf die schmerzenden Muskeln als auch auf eine mögliche Entzündung des Gehirn und Rückenmarks hin. "Es gibt nicht 'die eine' geeignete Behandlung von CFS" weiß Peter Henningsen, Oberarzt an der psychosomatischen Universitätsklinik in Heidelberg.
Er geht von einer sehr viel geringeren Zahl Betroffener in Deutschland aus und bezieht sich auf Studien aus Großbritannien. Dort ist nur von etwa 1 Prozent der Bevölkerung die Rede. Auf Deutschland übertragen wären dies rund 80,000 Menschen. "Die überwiegende Zahl an Patienten, die mit Symptomen von CFS zu uns kommen, sind so genannte Workaholics, die plötzlich aus der Bahn geworfen werden. Sie kommen nicht mehr auf die Beine, ihr Leben verkehrt sich ins Gegenteil", sagt Henningsen. Oft könnten die Patienten gar nicht benennen, was eigentlich geschehen sei.
"Uns geht es in der Behandlung darum, diese Menschen wieder in die Aktivität zurück zu holen und ihnen deutlich zu machen, wo der Bruch in ihrem Leben gewesen ist." Er sehe die Gefahr, dass die Patienten sich in ihrer Suche nach einer organischen Ursache "festbeißen" und nicht für psychotherapeutische Ansätze zugänglich seien.
Die Mitarbeiter von Fatigatio kennen viele CFS-Patienten, die jahrelang um ihre Berentung kämpfen. "Fünf bis sieben Jahre Kampf um die Zuerkennung einer Rente sind leider keine Seltenheit", sagt Uhlisch. Auch Henningsen zweifelt die Schwere der Erkrankung nicht an. "Ich halte das Syndrom durchaus für einen Berentungsgrund, auch ohne organische Ursache."
http://www.3sat.de/nano.html