was mache ich blos mit meiner Nachbarin?

was mache ich blos mit meiner Nachbarin?

Beitragvon karen.S » Donnerstag 10. Juni 2010, 22:50

Ich weiss eigentlich nicht mehr wie ich mit meiner Nachbarin umgehen soll.
Die Frau ist ueber 70, wohnt direkt unter mir, und sie putzt sehr viel.
Sie putzt leider nicht mit einem handelsueblichen Allesreiniger oder sowas, sondern mit einem Desinfektionsmittel. Der Geruch dieses Mittels ist atembenehmend stark, absolut widerlich, und schon kleine Mengen davon verursachen bei mir Uebelkeit, Kopfschmerzen, brennende Augen und ein wundes Gefuehl in den Bronchen.
Jetzt ist es so, dass sie das schon seit laengerem weiss und extra fuer mich ihre stinkenden Putztuecher nicht mehr auf dem Balkon zum Trocknen auf haengt.
Na ja, sie versucht es zumindest denn oft vergisst sie es auch und dann rufe ich sie an und bitte sie die Lappen rein zu nehmen, was sie dann auch tut.
Nun mit dem waermeren Wetter sind ihre Fenster auch den ganzen Tag offen (meine ja sowieso) und jetzt kommt der Desinfektionsmittelgestank von ihren Lappen die sie vermutlich DRINNEN irgentwo zum Trocknen aufhaengt,aus ihrer Wohnung direkt hoch in meine Wohnung.
Egal wo ich sitze oder ob ich im Bett liege es stinkt in meinem Zimmer nun nach diesem absolut widerlichem Zeug.
Ausserdem putzt sie ja auch waehrend des Tages immer mal Ihre Spuele, oder wischt einen Tisch ab. Das tut sie dann immer mit diesem stark stinkenden Mittel.
Ich kann auch nicht mehr entspannt auf dem Balkon sitzen mit dem schoenen Wetter weil es permanent nach 'Dettol" stinkt.
Ich weiss aber auch ehrlich gesagt nicht was ich da jetzt machen soll....?
Ich find es schwierig sie jetzt auch noch zu bitten in ihrer eigenen Wohnung keine Putzlappen auf zu haengen, ihre Fenster zu schliessen, oder ein anderes Putzmittel zu benutzen. Ich will es mir ja auch auf gar keinen Fall mit ihr verscherzen oder sie gegen mich auf bringen mit in ihren Augen "uebertriebener Bitte nach Ruecksicht".
Ihr den Unsinn vom taeglichen putzen mit Desinfektionsmittel zu erklaeren habe ich auch schon versucht. Sie findet das gut, macht das immer schon so und mag den Geruch ausserdem sehr gerne, jawohl und Basta! Sie findet es riecht dann sauber (*nach Luft schnapp*)

Wie wuerdet ihr mit sowas umgehen? Klar, ich werde mit ihr reden muessen. Es ist so wie es jetzt ist kaum aus zu halten in meiner Wohnung. Wo doch endlich der furchtbare Winter vorbei ist und ich mich erholen muesste mit viel frischer Luft und weit offenen Fenstern.
Aber wie macht man das am besten?
Ich muss auf jeden Fall vorsichtig umgehen mit der frau denn ich bin extrem abhaengig von ihrem "goodwill".

Liebe, 'sehr saubere' Gruesse,

Karen
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Beitragvon Jens » Freitag 11. Juni 2010, 10:36

Hallo Karen,
ja ich kann Dir das gut nachfühlen, wie Du darunter leidest,
weil sich mit der Zeit auch bei Dir der Geruch in der Wohnung einnistet.
So ein Geruch verfolgt einem ständig!

Vielleicht hilft es, wenn Du Ihr das Gedichtbuch KRANK DUR DIE UMWELT
von M. Winads schenkst. Es ist darin die gesamte Problematik an MCS
Erkrankter sehr gut beschrieben. Ich hatte damit schon mehrmals Erfolg!
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Marlene Winands, Baumannstr. 76/22, 88239 Wangen im Allgäu
(Siehe im Blog -Aufklärunsmonat Mai - Marlene...Wurde auch im Newsletter
von CSN empfohlen.
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Beitragvon Osmanthus » Freitag 11. Juni 2010, 10:52

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Beitragvon sunday » Freitag 11. Juni 2010, 11:33

gibt es ein putzmittel, daß du gut verträgst und das trotzdem "gut" riecht? dann würde ich ihr das schenken, mit der bemerkung, daß du gehört hättest, daß das ganz besonders sauber putzt und daß es trotzdem sehr gesundheitsschonend für alle wäre und das du es gern gegen ihr altes eintauschen möchtest (damit sie nicht meint, sie müßte ihr altes erst aufbrauchen).

lg
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was mache ich blos mit meiner Nachbarin?

Beitragvon karen.S » Freitag 11. Juni 2010, 21:36

Hallo und danke fuer eure Antworten,

Vielleicht ist eine Kombination aus der geeigneten Lektuere und ein neues Putzmittel ja eine Loesung. Mit meinen eigenen Reinigern brauch ich da nicht ankommen, die riechen fast gar nicht.Aber da werd ich mich mal umsehen. Es gibt bestimmt irgent ein Oeko-putzmittel mit aetherischen oelen, das 'sauber' riecht und weit besser vertraeglich ist als ihr's.

Karen
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Beitragvon saskia » Sonntag 20. Juni 2010, 01:49

Wie gut ich all das nachfühlen kann, Karen! Ich hab fast dasselbe Problem...

Seit 6 Jahren wohne ich in meiner Traumwohnung: 1. Stock, ungewöhnlich gute Luft, Balkon zum begrünten Innenhof, zentrale u. verkehrsberuhigte Lage mit nahem U-Bahnanschluss - und das alles als spottbillige Sozialwohnung. Ich beschloss sofort nie mehr auszuziehen. Ließ alles aufwändig für meine Bedürfnisse umbauen. Vor zweieinhalb Jahren dann der Schock! Als die neue türkische Mieterin unter mir einzieht, ziehen plötzlich Tag und Nacht die hochkonzentrierten Raumduftschwaden von einem Permanentverdampfer durch ihre dauergekippten Fenster in meine Wohnung. Ich kann nicht mal für wenige Minuten meine Fenster öffnen, ohne dass augenblicklich ein fataler Sog ventsteht... Da sie mich im Treppenhaus nicht mal grüßt, und mir von dem an ihr klebenden Horrorzeug schon im Vorbeigehen schwarz vor Augen wird, dauert es relativ lange, bis ich mir ein Herz fasse und bei ihr läute.

Sie steht zuckersüß lächelnd im Türrahmen, sagt verschmitzt "Nix Parfüm, nix verstehen!", und mir schwant schnell, dass das Problem noch um einiges komplizierter ist, als angenommen. Wochenlang grüble und fachsimple ich anschließend im Freundes- und Familienkreis, was zu tun ist. Dann ist klar: Ein superfreundlicher aber bestimmter Brief muss her und in korrektes Türkisch übersetzt werden. Wiederum wochenlang doktorn und feilen wir alle zusammen am genauen Wortlaut, sind schließlich irgendwann alle zufrieden mit dem Ergebnis, und ich lasse es für 70 Euro von einem renommierten Übersetzungsbüro übersetzen. Ich benutze blütenweißes Papier, einen rosa Briefumschlag, beschrifte auf Türkisch, unterschreibe in Schönschrift und werfe den Brief ein. Habe ein richtig gutes Gefühl!!!

Zwei Tage später läutet es abends nach 22:00 Sturm bei mir. Ich öffne. Dicht vor mir steht in asozial anmutender Drohgebärde meine zuckersüße türkische Nachbarin, im Gesicht fast grün vor Zorn, fuchtelt mit dem Brief vor meiner Nase und lässt - urplötzlich in gut verständlichem Deutsch und mit diversen Beleidigungen über meinen Geisteszustand - eine hasserfüllte Schimpftirade auf mich los. Noch bevor ich nach Luft schnappen kann, kündigt sie an sich umgehend bei der Wohnungsgenossenschaft zu beschweren. An ihrer Körperhaltung erkenne ich, dass sie auch vor Handgreiflichkeiten nicht zurückschrecken würde, und instinktiv versuche ich es erst mal mit Beschwichtigung. Sie beruhigt sich ein wenig und beginnt sofort mir wortgewaltig das Blaue vom Himmel herunter zu lügen: Sie verwende überhaupt keinen Raumduft und auch überhaupt keine parfümierten Produkte, sie würde das ja selbst garnicht vertragen, sie könne keinesfalls eines der Fenster wegen mir schließen, denn sie müsse doch dauerlüften, weil sie immer Luft brauche, und im Übrigen hätte sie doch sowieso die gleiche Erkrankung wie ich. Während alledem ist das ganze Treppenhaus erfüllt von ihrem Gestank, und ich denke nur, ich spinne...

Naja, und dann... sind einige Tage später meine Fahrradreifen zerstochen, nur meine, und das kurz nachdem sie an mir vorbeigegangen ist, während ich das Rad gerade abgesperrt habe... Und sie lässt in der nächsten Zeit demonstrativ noch mehr Fenster offen, telefoniert selbstgefällig rauchend um 4 Uhr morgens am Küchenfenster. Und manchmal hab ich das Gefühl, sie sprüht das widerliche Raumduftzeug auch noch ganz gezielt ins Treppenhaus, um mir zu zeigen, wer hier der Stärkere ist!

Was soll man in so einem Fall tun? Ich war deshalb jetzt zweieinhalb Jahre krank und kreuzunglücklich in meiner schönen Wohnung, spielte tatsächlich über einen längeren Zeitraum mit dem Gedanken auszuziehen. Aber wohin??? Naja, und irgendwie entwickle ich jetzt seit einigen Monaten doch nach und nach Strategien, wie ich mit Beobachtung der Luftströme und Durchzug-Lüften übers geöffnete Treppenhausfenster, mit Umverlegung meines Schlafplatzes und in jedem Zimmer dauerbetriebenen Luftreinigern, außerdem mit diversen Abschirmmaßnahmen (Vorhänge, Pollengitter, abends Teelichter auf dem Balkon) ein bisschen Lebensqualität in meine vier Wände zurückgewinne... Irgendwann wird die sprichwörtliche "Duftpest" unter mir wohl hoffentlich wieder ausziehen und in ihre türkische Heimat zurückgehen! Gelernt hab ich jedenfalls aus alledem, dass der Versuch einer harmonischen Verständigung auch gewaltig nach hinten losgehen kann.

Nach dieser verdammt unangenehmen Erfahrung würde es mich natürlich brennend interessieren, wie die Sache bei Dir weitergeht. Ich wünsche Dir von Herzen, dass Du wesentlich mehr Glück hast als ich!
saskia
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was mache ich blos mit meiner Nachbarin?

Beitragvon karen.S » Donnerstag 24. Juni 2010, 21:43

Liebe Saskia,

Das ist ja ein Horrorscenario was Du da beschreibst. Wirklich grauenhaft. Und dafuer hast Du Dir dann so viel Muehe gemacht. Mit manchen Menschen ist leider jegliche Kommunikation ausgeschlossen und Du kannst wohl wirklich nur hoffen, dass die Frau wieder aus zieht.

Die Ruecksichtname zwischen mir und meiner Nachbarin unter mir beruht auf einer gewissen Gegenseitigkeit. Ich habe am Anfang als ich hier eingezogen war oft spaet abends erst meinen Abwasch gemacht. Manchmal erst um 23:00 Uhr. Ihr Schlafzimmer liegt schraeg unter meiner Kueche und sie wachte jedesmal auf als ich abwusch. (was ich natuerlich nicht wusste) . Sie behauptete dann oft ich wuerde nachts Moebel umher schleppen und redete nicht mehr mit mir als ich das verneinte.
Irgentwann, ich hatte gerade wieder mein Besteck in den Abwasch 'geschmissen' rief sie mich an und beschuldigte mich wiederum ich wuerde meine Moebel umher schieben.
Da habe ich dann erst kapiert, dass sie von meinem Abwasch aufwacht.
Wenig spaeter hat sie ihren Plastikrasenbalkonbelag mit ihrem geliebten Desinfektionsmittel behandelt und ich dachte ich werd verrueckt..
Ich stand dann heulend vor Verzweiflung bei ihr vor der Tuer und wir konnten uns darauf einigen, dass ich ihr auf meine Kosten so einen neuen Kunstrasen kaufen darf, sie den 'verseuchten' weg schmeisst und sie auch keine putztuecher in denen das Zeug ist auf dem Balkon zum trocknen auf haengt. Ich habe ihr im Gegenzug versprochen nicht mehr nach 22:00 uhr ab zu waschen, woran ich mich natuerlich halte.

Vor einer Woche als es so ganz schlimm war mit dem Gestank von unten habe ich sie angerufen und gefragt ob Putztuecher draussen haengen, obwohl ich eigentlich schon gesehen hatte, dass es nicht so war und auch schon wusste, dass der Gestank ueber die offenen Fenster aus ihrer Wohnung kommt. Ich hatte die Hoffnung sie wuerde vielleicht, wenn wir gemeinsam 'entdecken', dass die Gestankschwaden aus ihrer Wohnung mir so zusetzen, von selbst auf die Idee kommen etwas zu veraendern.
Das Gespraech verlief erst ganz gut. Sie kuckte nach auf dem Balkon und beteuerte da haengt nichts. Gleichzeitig sagte sie auch, dass sie gerade ihre Spuele mit dem Desinfektionsmittel geputzt hat....dann muesse es das wohl sein, was ich roch.
Sie war dann aber auch sehr deutlich als sie sagte, da koenne sie ja nun wirklich nichts dran aendern. Schliesslich hatte sie nur geputzt und wenn ich das so rieche ist's nicht ihre Schuld.
Sie macht ausserdem noch mehr in ihrer Wohnung was schlimm fuer mich ist. Oft, schon am fruehen morgen wenn ich noch im Bett liege ist sie schon mit der ersten Desinfektionsrunde beschaeftigt und sprueht danach ihr Lieblingsparfum in der Wohnung herum. Ich wache dann in dieser Gestankmischung auf.

Im Gegensatz zu Deiner Wohnung ist meine fuer mich absolut unvertraeglich und haengt mein Ueberleben von meinen permanent geoeffneten Fenstern ab. Ich kann sie definitief nicht fuer laengere Zeit schliessen egal wie schlimm der Gestank von unten ist.
Bei diesem letzten gespraech mit ihr habe ich es jetzt erst mal belassen.Sie weiss jetzt, dass mir ihre Putzaktionen Beschwerden machen, aber will bis jetzt nichts veraendern.Es ist bei ihr in der eigenen Wohnung und da kann sie nichts machen findet sie.

Ich habe immernoch Angst Stress mit ihr zu bekommen und die Ruecksicht die sie wenigstens nimmt dann zu verlieren.
Ich werde mir jetzt mal infomaterial besorgen und ungezwungen einen Tee mit ihr drinken.Dann gebe ich ihr das und klaere sie auf ueber MCS ohne sie gleich direkt zu bitten alles moeglich sein zu lassen. Mal schauen wie das dann verlaeuft.

Bei Dir Saskia besteht ja wohl keine Chance mehr auf ein Gespraech, oder?

Wenn es an mir laege wuerde ich ja auch gar nicht in solch einem Mietshaus wohnen wollen. Aber leider fehlen mir die Mittel fuer eine freistehende Wohnung oder ein Haus nur fuer mich selber ohne Stinkende Nachbarn.

Hoffentlich darf ich noch erleben dass es in allen EU-Laender irgentwann MCS-Wohnprojekte geben wird und sind die dann auch bezahlbar fuer Menschen mit wenig Geld.
Bis dahin weiter fleissig Mietwohnungen anschauen und beschnuppern und so taktisch wie moeglich mit den Nachbarn umgehen, dass nicht noch mehr Schaden entsteht.

Liebe Gruesse aus NL,

Karen
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Beitragvon Mia » Freitag 25. Juni 2010, 00:47

Hallo Karen und Saskia,

Eure Sorgen kann ich gut nachvollziehen. Meine gute Zeit in einem Mehrfam.-Haus dauerte einige Jahre, bis durch Mieterwechsel zwei mal junge Leute einzogen, die einen regen Drogenkonsum mit ständigen Besuchen bis tief in die Nacht veranstalteten. Es dauerte viele Kämpfe und Schreiben an Verwalter und Eigentümer, bis einer freiwillig auszog und dem anderen gekündigt wurde. Ich habe in der Zeit oft nachts nach Mitternacht an der Straße gestanden, um frische Luft zu atmen. Während andere in ihren Häusern ringsum schliefen, stand ich einsam an der Straße.

Die Wohnproblematik ist wohl der größte Skandal bei dieser Erkrankung und zwingt auch mich zu Kompromissen, die ich ansonsten nicht eingehen würde. Und das sind schwere Kompromisse zur Zeit.
Diese Folgen von MCS geschehen fernab der Öffentlichkeit und interessieren keine unserer Behörden. Wir müssen uns selber helfen und das ist ein großes Unrecht.
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Beitragvon saskia » Freitag 25. Juni 2010, 04:17

...ein Horrorszenario - Du sagst es, liebe Karen! Und so zerbrechlich wie Du das Wohlwollen Deiner Nachbarin beschreibst, ist es ja leider in Deinem Fall kaum besser!

Ich denke nach jahrelanger Grübelei über mein Erlebnis, dass man es bei solchen Leuten mit einer mehr oder minder schweren Form von "Schnüffelsucht" zu tun hat. Die benutzen diesen Dreck wie eine Droge, die sie brauchen um ihren trostlosen Tag zu überstehen. Und dementsprechend vehement fällt dann auch der Widerstand aus, wenn man ihnen ihren "Stoff" wegnehmen will...

Das erste, was ich damals im Winter bemerkte, als meine adrette Nachbarin eingezogen war, war lautes Tür- und Fensterknallen, das sich bis heute Nacht für Nacht wiederholt. Erst dachte ich, es handelt sich um irgendwelchen Beziehungskrach. Aber außer ihr ist offensichtlich nie jemand in der Wohnung. Als es dann wärmer wurde, und ich meine Fenster nachts wieder öffnete, hörte ich sie zusätzlich regelmäßig zwischen 3 und 4 Uhr morgens ins Telefon schimpfen. Das ist ebenfalls bis heute so. Sie steht dann rauchend am sperangelweit geöffneten Küchenfenster, und ihr Gemecker hallt quer durch den ganzen Innenhof. Scheint so eine Art fester nächtlicher Termin für sie zu sein. Sämtliche Grußversuche im Treppenhaus ignorierte sie außerdem von Anfang an mit einem seltsam verächtlichen Blick.

All das zusammen ergibt für mich mittlerweile das Bild einer hochgradig gestörten Person, der es besser ist aus dem Weg zu gehen. Meiner Wohnungsgenossenschaft habe ich zwar gleich vorsorglich die deutsche und türkische Version des Briefes zukommen lassen. Und die Bitte ev. vermittelnd tätig zu werden, sollte die Situation von ihrer Seite aus weiter eskalieren. Dabei belasse ich es aber lieber bis auf weiteres. Nicht dass die vermittelnde Person dann am Ende auch noch so ein Raumduftfan ist - man kann ja nie wissen...

Die letzten Tage liefen jedenfalls geruchstechnisch wieder ziemlich mies, und ich bade soeben die Folgen mit der üblichen Schlaflosigkeit aus. Es ist nach 4 Uhr morgens, und ich komme partout nicht zur Ruhe. Ich darf garnicht drüber nachdenken, welche Macht diese fürchterliche Person damit indirekt über mein Leben gewonnen hat. Zumal sie ja nun genau weiß, wie sie mich quälen kann, wenn ihr danach ist. Und das noch völlig legal! Insofern bin ich auch nicht besonders glücklich, dass ich mich als MCS-Patientin geoutet und damit so verletzbar gemacht habe. War wohl zumindest in diesem Fall ein großer Fehler!

Liebe Karen (und auch Mia und die anderen), ich bin nur froh, dass wir uns hier ein bisschen über unsere Erfahrungen austauschen und mit Verständnis und Rat beiseite stehen können. Ich drück Dir ganz fest die Daumen für das gemeinsame Teetrinken!!! Schade, dass wir nicht einfach alle zusammen eine nette Karte an Deine Nachbarin unterschreiben können, um ihr zu zeigen wieviele Menschen das Thema MCS mittlerweile betrifft. Aber lass uns auf alle Fälle wissen, wie's weitergeht, ok?
saskia
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was mache ich blos mit meiner Nachbarin?

Beitragvon saskia » Freitag 25. Juni 2010, 04:48

Liebe Mia,
Du hast recht, es ist verdammt hart und ungerecht, wie alleingelassen wir mit unserer Problematik sind! Umso bewundernswerter finde ich es, wenn jemand wie Du die Kraft aufbringt, so selbstbewusst und offensiv für seine Rechte zu kämpfen. Vielleicht hab ich mich durch die Schicksalschläge der letzten Jahre zu sehr entmutigen lassen und sollte es auch wieder lernen, stärker gegen Widerstände von außen anzukämpfen? Immerhin hatte ich in einer früheren Wohnung schon mal den Mieterverein eingeschaltet und die Miete gemindert, als die Vermieter auf dem Dachboden Autoteile lackierten.
So, ich werd dann doch nochmal versuchen ein bisschen zu schlafen. Gute Nacht & liebe Grüße!
saskia
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